Ich bin aktuell am Mittelmeer.

Ich war an einem Strand.
Direkt neben grossen, neuen Hotels.

Ich habe früher in prunkvollen Häusern gearbeitet.
Doch was ich hier gesehen habe,
war eine andere Dimension.

Wirklich schön.

Es wirkte gepflegt.
Sauber.
Ein Ort, an dem Menschen gerne ihre Ferien verbringen.

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Dann bin ich ein paar Meter weitergegangen.

Und ab da, über mehrere Kilometer,
immer das gleiche Bild.

Müll.

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Erste Reaktion

Mein erster Gedanke war:
Ich räume das auf.

Über Wochen.
Über Monate.

So lange, bis es sauber ist.

Ich bin ins Hotel gegangen.
Nicht passend gekleidet.

Vor mir standen sechs Receptionisten.
Nebensaison.

Ich habe gefragt,
ob jemand vom Hotel helfen könnte,
den gesammelten Müll zu entsorgen.

Ich würde alles sammeln.
An einem Ort deponieren.

Die Gäste hätten sicher auch Freude daran.

Die Antwort war klar:
Sie seien nicht zuständig.

Nur für den kleinen Hotelstrand.
Dort, wo die Liegen stehen.

So etwas hätten sie noch nie gehört.
Das ginge leider nicht.

Ich habe direkt vor dem Hotel
der Gemeinde geschrieben.

Das gleiche vorgeschlagen.

Es war Sonntag.

Bis heute:
keine Antwort.

Umgebung

Ich bin weitergegangen.
Durch den Ort.
Zum Hafen.

Restaurants.
Neue Anlagen.
Noble Hotels.

Und dazwischen:
immer wieder Müll.

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Überlaufende Container.
Abfälle, die sich verteilen.

Erkenntnis

Das ist kein einzelner Strand.
Kein einmaliges Problem.

Das ist ein System.

Diese Orte werden gebaut,
damit wir dort Ferien machen können.

Damit es für uns passt.
Damit es gut aussieht.

Vorne wird gezeigt,
was funktioniert.

Hinten bleibt liegen,
was niemand sehen soll.

Unterschied

Ich räume an vielen Orten alleine auf.

Und ich arbeite über Jahre
mit Menschen und Gruppen.

Ja, das hat Wirkung.

Aber nicht überall ist es gleich.

Nach vielen Jahren an unterschiedlichen Orten
erkenne ich,
wann es sinnvoll ist, ein Projekt zu starten.

Und wann es notwendig ist,
unangenehm zu sein.

Manchmal beides.

Weiter

Ich frage nach.
Ich weise darauf hin.
Ich bleibe dran.

Auch über Distanz.
Über Zeit.

Auch dann,
wenn keine Antwort kommt.

Was fehlt

Viele sehen das.
Da bin ich sicher.

Und viele denken,
sie können nichts verändern.

Aber wenn nur jeder zehnte Gast
über den Sommer hinweg
eine einzige Mail schreibt
oder an der Rezeption nachfragt,

würde sich etwas bewegen.

Davon bin ich überzeugt.

Sag etwas

Es macht einen Unterschied,
wenn wir Missstände ansprechen.

Für Orte.
Für die Natur.

Für alles,
was keine Stimme hat.

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Veränderung beginnt nicht erst im Grossen.
Sondern dort,
wo jemand hinschaut
und den Mut hat, etwas zu sagen.

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